Catharina König ist Sexualbegleiterin. In ihrem Beruf hat sie Sex mit alten und behinderten Menschen. Vorher arbeitete sie als Steuerfachangestellte.
Frau König, mit ihrem Beruf brechen Sie jeden Tag gleich mehrere Tabus: Sex gegen Bezahlung, Sex mit alten Leuten, Sex mit behinderten Menschen. Was treibt Sie an?
Also, ich bin keine Revoluzzerin. Ich bin auch keine, die immer, wenn alle „Ja“ sagen, „Nein“ sagt. Das finde ich jetzt nicht so spannend. Ich glaube, es liegt einfach an dem Thema Sexualbegleitung. Es ist einfach etwas, was mir Freude macht und was ich kann.
Nehmen Sie Tabubrüche in Kauf, damit Sie anderen Menschen etwas Gutes zu tun können?
Also diese Geschichte, Anderen etwas Gutes zu tun, das ist es nicht. Das wäre ja schrecklich! Etwas Gutes tun ist vielleicht etwas, was bei Sexualbegleitung rauskommt, aber es ist sicherlich nicht meine erste Absicht. Sexualbegleitung ist eine Dienstleistung und wird dementsprechend ja auch bezahlt. Ich mache das, weil ich mich gut dabei fühle. Ich mache es, weil es mir Spaß macht und ich mich als Mensch verwirklichen kann. Ich habe auch Freunde, die quälen sich jeden Morgen in die Bank, obwohl sie auf ihre Arbeit eigentlich gar keine Lust haben.
Gut, jeder weiß, wie man Bankangestellte wird. Aber wie wird man eigentlich Sexualbegleiterin?
In Deutschland gibt es nur eine Ausbildungsstelle – das Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter (ISBB) in Trebel. Dort werden unter anderem Erotikworkshops für Menschen mit Behinderungen angeboten, an denen auch die auszubildenden Sexualbegleiter teilnehmen. Die Ausbildung könnte man eigentlich „Learning by doing unter Superversion“ nennen. Man fährt sechs Wochenenden zu den Erotikworkshops und erprobt sich darin mit behinderten Menschen eine körperliche und sexuelle Begegnung zu gestalten.
Wer ihre Kunden sind, und wie es ist, gemeinsam mit demenzkranken Menschen Sexualität zu erleben, könnt ihr im Einsteins Print-Magazin lesen.
